Chronik

Überleben während der NS-Zeit bis 1945

Die 1927 gegründete „Musik-Kapelle Forstenried“ bestand etwa sieben Jahre; im Jahr 1934 (aus dieser Zeit datieren die letzen handgeschriebenen Märsche in den Marschbüchern der Musik-Kapelle Forstenried) hat diese Kapelle ein für diese Zeit nicht untypisches Schicksal ereilt - im Zuge der Gleichschaltung kam es zur Auflösung. Bekanntlich wurden im Rahmen der Umsetzung des Ermächtigungsgesetzes ab 1933/34 auch zahlreiche Vereine in bestehende nationalsozialistische Gliederungen integriert (z.B. „SA-Sturmbann München“), bekamen hinsichtlich ihrer Vereinsstruktur das Führerprinzip verordnet (z.B. die Betriebskapellen in der „Nationalsozialistischen Betriebskapellen Organisation“) bzw. wurden aufgelöst.

Möglicherweise sind die Forstenrieder Musiker mit der Auflösung ihrer Kapelle einer drohenden Zwangseingliederung bzw. Zwangsauflösung zuvorgekommen. Handschriftliche Notenblätter aus dem Jahr 1936, denen der Stempel des Vereins fehlt, deuten aber auch darauf hin, dass die Musik-Kapelle Forstenried zu dieser Zeit als „namenlose“ Kapelle in gleicher Besetzung weiter aktiv war.

Die Tatsache, dass die Notensammlung der Familie Niefenecker heute noch so vollständig ist, zeigt jedenfalls, dass es erfolgreich gelungen war, diese Notensammlung sowie die Sammlungen von Michael Reitberger und Max Niefenecker dem Zugriff nationalsozialistischer Organisationen zu entziehen und durch die Kriegs- und Nachkriegswirren hindurch zu retten. Dieser Schluss drängt sich deswegen auf, weil im Gegensatz zu den Notenblättern von Betriebskapellen oder NS-Gliederungen der damaligen Zeit die Forstenrieder Notenbücher und -blätter nicht mit dem sonst üblichen Stempelaufdruck einer entsprechenden NS-Organisation versehen sind.

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